- Fortschritte in der Landwirtschaft
Kann Züchtung Weizen ertragreicher und widerstandsfähiger machen?
Kaum eine Kultur bietet so viel ungenutztes Innovationspotenzial wie Weizen. Mit Hybridweizen will Bayer neue Maßstäbe für Produktivität, Resilienz und nachhaltigen Mehrwert setzen.
Weizen ist eine der weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen. Auf mehr Flächen angebaut als jede andere Pflanze, liefert Weizen etwa 18 % der weltweit verfügbaren Kalorien. Globale Weizenernten zu sichern und Produktivität sowie Nachhaltigkeit im Weizenanbau zu steigern, ist entscheidend, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.
Wie ist der aktuelle Zustand von Weizen?
Die Weizenproduktion und -versorgung sind heute durch externe Faktoren bedroht: durch geopolitische Ereignisse, die den Handel beeinflussen, und – insbesondere langfristig – durch zunehmend extreme Wetterbedingungen infolge des Klimawandels. Die Produktivität von Weizen variiert stark und hängt von der jeweiligen Anbauregion ab, mit Erträgen von etwa 30 Scheffel pro Acre in Australien bis ~110 Scheffel pro Acre in Westeuropa.
Genetische Fortschritte durch traditionelle Züchtung verbessern die jährlichen Erträge derzeit im Durchschnitt um weniger als ein Prozent. Wird das ausreichen, um langfristig genug Weizen zu produzieren, um die weltweite Nachfrage zu decken?
Bei Bayer glauben wir, dass das nicht ausreichen wird. Nur durch Fortschritte in den Bereichen Züchtung, Pflanzenproduktion und Digitalisierung können wir die Weizenproduktion so verbessern, dass sie den Bedürfnissen einer wachsenden Welt nachhaltig gerecht wird.
Weizeninnovation erhält einen Schub
Was wäre nötig, um Weizen widerstandsfähiger und produktiver zu machen? Hybridisierung und Hybridsorten.
Viele der weltweit am weitesten verbreiteten Nahrungspflanzen, darunter Mais, Zuckerrüben und Raps, sind Hybride, bei denen eine genetische Linie mit einer anderen gekreuzt wird. Weizenhybride sind aufgrund technischer Herausforderungen langsamer auf den Markt gekommen. Inzwischen haben wir jedoch große Fortschritte dabei gemacht, moderne Präzisionszüchtungstechnologien zu nutzen, um diese Herausforderungen zu überwinden. Wir erwarten, dass Hybridweizen im Vergleich zu Linienweizen höhere Erträge erzielt. Dieser Effekt („Heterosis“) könnte je nach lokalen Bedingungen zusätzliche Erträge von 10–15 % liefern. Außerdem wird angenommen, dass die Hybridzüchtung die jährlichen Ertragssteigerungen gegenüber Linienweizen verbessert und im Laufe der Zeit eine höhere Produktion ermöglicht.
Hybridweizen ist nicht nur ein Saatgut, das etwas mehr Ertrag bringt. Er ist eine völlig neue Technologie, die Weizenlandwirt*innen neue Wahlmöglichkeiten und Vorteile eröffnet. Hybridweizensaatgut bietet höhere Erträge, hochwertigeres Getreide, eine effizientere Nutzung von Betriebsmitteln, verbesserte Widerstandsfähigkeit und eine reduzierte Umweltbelastung. Diese Faktoren schaffen auch Vorteile entlang der Wertschöpfungskette, darunter eine stabilere Versorgung, wirtschaftliche Erträge und mehr Ernährungssicherheit.
Bei Bayer arbeiten wir daran, Hybridweizensaatgut in wichtigen Regionen Realität im großen Maßstab verfügbar zu machen – mit dem Ziel, Produkte bis Ende des Jahrzehnts auf den Markt zu bringen.
Landwirte haben mehr als nur ein Korn zu gewinnen
Hybridweizen wird Weizenlandwirt*innen neue Möglichkeiten und erhebliche Vorteile bieten. Dazu zählen eine höhere Kapitalrendite, stabilere Einkommen und verlässlichere Weizenvorräte für globale Lebensmittelsysteme ermöglichen.
Aber Landwirte brauchen nicht nur neues Saatgut, sondern auch Unterstützung. In Zukunft stellen wir uns ein völlig neues, datengestütztes Produktionssystem für Weizen vor. Landwirt*innen können von einem umfassenden und vollständig integrierten Managementansatz profitieren, der durch digitale Werkzeuge ermöglicht wird. Sie erhalten Unterstützung bei der Auswahl von Saatgut, der Bestimmung von Aussaatraten, der Schädlingsbekämpfung und mehr. Auch nach der Ernte können sich neue Möglichkeiten eröffnen, etwa durch Nachhaltigkeitsmaßnahmen, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
Modernste Weizentechnologie
Unsere starke Forschungs- und Entwicklungskompetenz wird dazu beitragen, Hybridweizen praktikabel, nachhaltig und wirtschaftlich tragfähig zu machen. Jüngste technologische Durchbrüche, darunter digital unterstützte genomische Werkzeuge, Fortschritte in der Züchtung und KI, ebnen den Weg für die erfolgreiche Entwicklung von Hybridweizen zu wettbewerbsfähigen Kosten.
Als Bayer haben wir eine klar definierte Strategie entwickelt, um Hybridweizen auf den Markt zu bringen. Dafür beschleunigen wir unsere Investitionen und erhöhen den Ressourceneinsatz, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.
In den USA, wo jedes Jahr etwa 21 Millionen Hektar Weizen angebaut werden, bauen wir auf unser starkes WestBred-Keimplasma-Portfolio auf und nutzen interne F&E, um unser Saatgutangebot über Linienweizen hinaus zu erweitern.
In Europa, wo Weizen auf etwa 25 Millionen Hektar angebaut wird, hat Bayer seine Position durch eine exklusive Lizenzvereinbarung mit RAGT, einem führenden Unternehmen auf dem europäischen Weizensaatgutmarkt, gestärkt. Die Vereinbarung bietet Zugang zu Elite-Weizen-Keimplasma, das auf europäische Anbaubedingungen zugeschnitten ist, und unterstützt die Pläne von Bayer, Hybridweizen bis Anfang der 2030er Jahre in Europa zu kommerzialisieren.
Mit diesen Fortschritten verbessert Bayer nicht nur die Weizenproduktion, sondern setzt auch neue Maßstäbe für landwirtschaftliche Innovation. Der Blick nach vorn zeigt: Hybridweizen hat das Potenzial, die globale Lebensmittelversorgung nachhaltig zu stärken – mit Vorteilen für Landwirte, Wertschöpfungsketten und ein widerstandsfähigeres Ernährungssystem.