- Transparenz
Die Sicherheit des Menschen im Fokus
Wie andere chemische Produkte auch können sich Pestizide negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken, wenn sie nicht verantwortungsvoll eingesetzt werden. Die Hauptaufgabe der Abteilung Human Safety von Bayer besteht darin festzustellen, wie unsere Pflanzenschutzmittel sicher verwendet werden können.
Pestizide spielen eine wichtige Rolle beim Schutz von Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingsbefällen, die die Sicherheit unserer Lebensmittel und die zuverlässige Versorgung mit Lebensmitteln gefährden können. Erst kürzlich wurden Teile Afrikas von einer Heuschreckenplage heimgesucht und auch andere Ereignisse in der Vergangenheit, bei denen unzählige Menschen durch Pilze (z. B. Mutterkorn in Getreidesorten wie Roggen und Weizen) und andere natürliche Toxine (z. B. Aflatoxine in Erdnüssen) Lebensmittelvergiftungen erlitten, zeigen, wie wichtig der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Sinne der Lebensmittel- und Ernährungssicherheit ist.
"Als Leiterin der Abteilung Human Safety bei Bayer Crop Science engagiere ich mich dafür, dass unsere Produkte sicher eingesetzt werden können, mit dem Ziel, gesunde und erschwingliche Lebensmittel anzubauen. Zum Team von Human Safety gehören mehr als 200 Wissenschaftler, die Pflanzenschutzmittel mit Blick auf einen sicheren Einsatz durch die Landwirte und Verbraucher entwickeln und bewerten. Sie sind – genau wie ich selbst – nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Verbraucher mit Familien, die sich eine gute Versorgung mit sicheren, gesunden Lebensmitteln wünschen. Im Folgenden stellen wir unsere Arbeit bei Human Safety vor und ich hoffe, dass diese Informationen interessant und informativ für Sie sind. Nehmen Sie über unsere Transparenz-Seite Kontakt mit uns auf, wenn Sie Fragen haben!"
Die Sicherheit des Menschen im Fokus: Die Grundlagen
Um die Sicherheit von Menschen gewährleisten zu können, müssen wir zunächst verstehen, welche potenziellen Risiken mit dem Einsatz von Pestiziden für die menschliche Gesundheit verbunden sind. Hierfür ist eine Evaluierung der Gefahren und der Exposition erforderlich.
Wissen Sie eigentlich, was der Unterschied zwischen einer Gefahr und einem Risiko ist?
Was bedeuten Gefahr, Exposition und Risiko im Kontext von Pestiziden und der Sicherheit von Menschen?
Um das potenzielle Risiko bei Anwendung eines bestimmten Pflanzenschutzmittels einschätzen zu können, müssen wir verstehen, bei welcher Exposition (Dosis) eine Chemikalie gefährlich sein kann (Toxizität).
Alle Chemikalien können bei entsprechend hoher Exposition toxisch sein. Zu viel Zucker kann zu Übelkeit und Aufgedrehtheit führen und den Herzschlag beschleunigen. Zu viel Salz kann dehydrieren, einen erhöhten Blutdruck auslösen und das Herz unregelmäßig schlagen lassen. Hier sprechen wir von akuter oder direkter Toxizität.
Auch der Zeitraum, in dem ein Mensch einer Substanz ausgesetzt ist, spielt eine Rolle. Wer jeden Tag sehr viel Zucker isst, mag auf kurze Sicht damit davonkommen, kann langfristig aber an Diabetes erkranken oder fettleibig werden. Hier sprechen wir von chronischer Toxizität.
Aus diesem Grund ist es wichtig zu verstehen, wie und wann jemand in Kontakt mit Pestiziden kommt und welchen Mengen diese Person ausgesetzt ist. Zudem müssen wir wissen, wie sich eine hohe Exposition auswirken kann.
Zum Schutz der menschlichen Gesundheit sieht der Gesetzgeber für Pestizide mehr als 50 Labor-Prüfungen zur Bewertung der Toxizität vor.
Prüfung der Effektstärke
Bei der Bewertung der Toxizität ist Folgendes zu berücksichtigen:
- unterschiedliche Expositionswege (oral, dermal oder inhalativ),
- unterschiedliche Zeiträume (1–7 Tage [akut], 14–90 Tage [subchronisch] und 1–2 Jahre [chronisch, auf die Lebensdauer der Prüfspezies bezogen]) und
- unterschiedliche Expositionsgrade
In all diesen Tests werden die Wirkungen verschiedener Expositionsdosen untersucht. Bei den meisten Tests werden jeweils ein Produkt mit niedriger, mittlerer und hoher Dosis sowie ein Kontrollprodukt (das die getestete Substanz überhaupt nicht enthält) verwendet. Die niedrige Dosis ist in der Regel mindestens 100-mal höher als die tatsächliche Exposition, der Menschen bei der Verwendung von Pestiziden gemäß den Anweisungen auf dem Etikett ausgesetzt sein können. Hier zeigen sich in vielen Fällen keinerlei Effekte. So können wir eine sichere Dosis für die Risikobeurteilung festlegen, d.h. das Ausmaß der Exposition (Dosis), bei dem keine schädlichen Auswirkungen auftreten.
Expositionsbewertung und -modellierung
Eine Beurteilung der Risiken für die Sicherheit von Menschen ist nur möglich, wenn nicht nur Informationen zu den Gefahren (zur Toxizität), sondern auch zum Grad der Exposition vorliegen. Es kann in ganz unterschiedlichen Situationen zu einem Kontakt mit Pestiziden kommen:
- beim Einsatz von Pestiziden im Feld, auf dem Hof, im Garten oder im Haushalt (Mischvorgang, Befüllung, Anwendung),
- beim Konsum von Trinkwasser oder Lebensmitteln mit Rückständen
- bei der medizinischen Behandlung von Pilzinfektionen (z. B. Fußpilz, oder Infektionen der Zehennägel) oder Krankheiten, die durch Schädlinge ausgelöst wurden (Kopflausbefall, Krätze usw.)
In Studien werden die Exposition, der Beschäftigte in landwirtschaftlichen Betrieben sowie in der Nachbarschaft von Landwirtschaftsbetrieben lebende Personen und die Verbraucher ausgesetzt sind, sowie Rückstände in behandelten Pflanzen, in der Erde, in der Luft und in Grund- und Oberflächenwasser analysiert. Viele Länder setzen zudem auf die Überwachung von Lebensmitteln, die in Lebensmittelgeschäften zum Verkauf angeboten werden oder importiert wurden, um gute landwirtschaftliche Praktiken durchzusetzen.
Wenn die berechneten Konzentrationen ein Risikopotenzial aufzeigen, müssen Maßnahmen zur Verringerung der Belastung ergriffen werden. In solchen Fällen werden auf der Grundlage von Modellen Vorhersagen getroffen, wie sich die Belastung durch Änderungen der Vorgaben auf den Etiketten (zur Anwendung oder zu den Anforderungen an die Schutzausrüstung) sowie durch andere Maßnahmen reduzieren lässt. Weitere Informationen zu Maßnahmen zur Risikominderung finden Sie in den Abschnitten weiter unten.
Bewertung der Sicherheit für den Menschen
Basierend auf den Erkenntnissen aus den Toxikologie-, Metabolismus- und Expositionsstudien leiten wir Referenzwerte ab (z. B. Acceptable Operator Exposure Level (AOEL), Acute Reference Dose (ARfD) und Acceptable Daily Intake (ADI)), die zur Durchführung von Risikobewertungen für die menschliche Gesundheit für unsere Produkte verwendet werden um zu bestimmen, wie diese sicher verwendet werden können.
Dabei gleichen wir die Informationen aus den Toxizitätstests zu den Expositionsdosen, bei denen Effekte zu erwarten sind (Dosis-Wirkungs-Beziehung), mit den Konzentrationen ab, die bei einer Exposition zu erwarten sind, wobei alle möglichen Quellen (Lebensmittel, Wasser, Luft direkter Kontakt beim Umgang mit dem Produkt) berücksichtigt werden. Wer mögliche Gefahren und die Exposition zugleich im Blick hat, kann Aussagen zu potenziellen Risiken treffen (wie im Beispiel mit dem Hai – da er in tiefem Wasser schwimmt, besteht für alle, die am Ufer oder im flachen Wasser stehen, ein geringes Risiko).
Die Vorschriften in den verschiedenen Ländern geben teilweise unterschiedliche Ansätze zur Risikobeurteilung vor; wir von Bayer stützen uns bei unseren Bewertungen jedoch stets auf maximal zuverlässige wissenschaftliche Methoden, die die jeweiligen Standards erfüllen oder sogar übertreffen. Zulassungsanträge werden bei Bayer nur für Produkte gestellt, die die internen Sicherheitsstandards erfüllen - auch wenn in den entsprechenden Ländern keine gesetzliche Notwendigkeit für eine solche Sicherheitsbewertung besteht. Ältere Produkte, die bereits seit längerer Zeit zugelassen sind, bewerten wir nach und nach in einem systematischen Prozess. Wenn sie unsere aktuellen Standards nicht erfüllen, werden angemessene Maßnahmen zur Risikominderung ergriffen. Unsere Standards werden auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse kontinuierlich angepasst und optimiert und unsere Bewertungsprozesse sind Teil des Lebenszyklus-Managements, das auf die Produkte unseres Portfolios Anwendung findet.
Um den wichtigsten Expositionswegen Rechnung zu tragen, wird der Fokus bei der Bewertung der Sicherheit für den Menschen auf die beiden folgenden Aspekte gelegt: die Aufnahme von Chemikalien über Lebensmittel (1) und die Anwenderexposition (2).
Durchführung von Bewertungen der Sicherheit für den Menschen
Wenn Produkte im Hinblick auf ihre Sicherheit für den Menschen bewertet wurden und diese Prüfung bestanden haben, sind mit ihrer Verwendung keine untragbaren Risiken verbunden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie auf jede erdenkliche Art und Weise verwendet werden können – die Ergebnisse der Sicherheitsbewertung geben auch die Bedingungen für eine sichere Anwendung vor. Typische Bedingungen sind beispielsweise die Beschränkung des Einsatzes auf einen bestimmten Zeitraum (durch die Angabe eines zeitlichen Mindestabstands zum Zeitpunkt der Ernte), maximale Ausbringmengen oder die ausschließliche Verwendung in einem bestimmten landwirtschaftlichen Kontext. Nach Abschluss der Sicherheitsbewertung sind also noch weitere Schritte erforderlich, um diese Bedingungen festzulegen und sicherzustellen, dass sie in der Praxis erfüllt werden.